Begegnung mit tansanischen Christen in Mühlacker

Seit bald 40 Jahren lebt die Partnerschaft auf „Herzenshöhe“ zwischen der Herrnhuter Brüdergemeine im Südwesten Tansanias und dem Kirchenbezirk Mühlacker. Wesentlich sind in dieser Partnerschaft die Begegnungen im Kirchenbezirk Mühlacker und in der Region Mbeya. Vom 4. bis 22. Juni war eine sechsköpfige Delegation im Kirchenbezirk Mühlacker zu Gast. Hier gibt es Einblicke in die vielfältigen Begegnungen.


„Milima haikutain, lakini bindamu hukutana“ – „Berg und Tal kommen nicht zusammen, aber Menschen“ weiß ein Sprichwort aus Tansania.

Deshalb sind auch die Begegnungen in den Gemeinden mit den Mitgliedern der sechsköpfigen Delegation unter Leitung von Kirchenpräsident Zakaria Sichone ein zentrales Element.

Die Delegation bilden je drei Frauen und drei Männer aus Einrichtungen unserer Partnerkirche. Dazu zählen die Kirchenleitung mit ihren Abteilungen, die Berufsschule, das Bibelschule sowie das Lehrer-Kolleg.

Die Delegation begann ihren Aufenthalt im Kirchenbezirk Mühlacker mit einem Besuch im Dekanatamt. Dekan Jürgen Huber hieß die Gäste herzlich willkommen:

"Bei der Ihr Besuch bei uns zeigt, dass der christliche Glaube eine Kraft ist, die Menschen über alle Grenzen hinweg verbindet. Eine Kraft, die Menschen unterschiedlicher Herkunft, Menschen unterschiedlicher Nation, Menschen unterschiedlicher Hautfarbe miteinander verbindet und zu einer großen Familie macht.

Das ist schön, das zu sehen, und es bei solchen Begegnungen wie heute auch ganz praktisch zu erleben. Dafür danken wir unserem Gott, dass er das möglich macht!

Jesus Christus ruft überall auf der Welt Menschen in seine Nachfolge. Und er verweist diese Menschen aneinander. Er möchte, dass sie sich durch ihn und durch seinen Geist verbunden wissen. Er möchte, dass seine Christen sich gegenseitig stärken und ermutigen. Er möchte, dass seine Christen überall auf der Welt füreinander da sind!

Wir Europäer haben uns sehr lange Zeit anderen Kontinenten gegenüber überlegen gefühlt. Kann sein, dass wir technisch und wirtschaftlich weiter sind als andere. Aber da wo es um den Glauben geht, da, wo es um das Evangelium geht, da brauchen wir die Erfahrung, das Zeugnis und die Gebete der anderen genauso wie diese das unsere. Da können und da sollen wir uns gegenseitig bereichern und füreinander da sein.

Wir brauchen euch. Wir brauchen eure Erfahrungen mit Christus, denn euer Zeugnis kann auch unseren Glauben stärken. Wir brauchen eure Gebete für uns und unsere Kirche.

Deshalb sind wir froh und dankbar, dass Sie jetzt hier sind bei uns in Deutschland, bei uns in Mühlacker.

Seien Sie uns also herzlich willkommen hier in Mühlacker."

Im Anschluss fuhr die Gruppe nach Maulbronn. Dort gestaltete sie das Mittagsgebet mit einer Schriftlesung auf Kisuaheli und zwei Liedern. Beim Mittagessen im Gemeindehaus mit dem Mittagstisch der Kirchengemeinde Maulbronn, einer Führung durch die Klosteranlagen und einer Vorstellung der Orgel durch Kirchenmusikdirektorin Erika Budday rundeten die Zeit in Maulbronn ab.

Ein Bummel durch Mühlacker mit einem Abstecher in den Weltladen und einer Begegnung des Arbeitskreises Tansania mit der Gästegruppe beim Abendessen waren weitere Elemente des Tages.

Am 6. und 7. Juni war die Delegation in Begleitung von Günter Straub und Klaus-Peter Böhringer in der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule inMühlacker und informierten sich über die Arbeit dieser Berufsfachschule.
Im Anschluss erlebten die tansanischen Gäste mit Alexandra Rapp das Mehrgenerationenhaus in Mühlacker. Das Abendprogramm bildete der Orgelsommer in Mühlacker.

Am 7. Juni besuchte die Gruppe die Diakonische Jugendhilfe in der Region Heilbronn (DJHN). Einblicke in die vielfältigen Angebote der DJHN, ein Stadtbummel und ein Abendessen bei Familie Fuchs waren Elemente des Tages. Bei der DJHN besuchte die Gruppe eine Schule, eine Wohngruppe in Kleingartach sowie eine Einrichtung, die sich um Schwangere bzw. Mütter mit Säuglingen kümmert, die in prekären Umständen sind.
Gemeinsam mit Volker Fuchs wurde das Jugend- und Familienzentrum Olga besucht.

Der Abend klang bei Familie Fuchs aus. Volker Fuchs war 2016 Mitglied der Delegation.

Tafelladen und Madita am Vormittag, ein Besuch bei der Lebenshilfe Mühlacker-Vaihingen am Nachmittag waren die Inhalte des 8. Junis.

Isolde Renner-Rosentreter, Thomas Herzke und die Mitarbeitenden des Tafelladen informierten die Delegation, warum ein Tafelladen in Deutschland notwendig ist und über die Abläufe.
Die zweite Station bidete Madita, der soziale Laden.

Am Nachmittag informierten die Geschäftsführerin Sandra Sailer, Stephanie Seare und Herr Fischer über die Lebenshilfe Vaihingen Mühlacker. Praktische Einblicke in die Wohngruppen und Werkstätten, Gespräche mit Mitarbeitenden und Menschen mit Behinderung waren ein Erlebnis für die Delegation. Dass hier der einzelne Mensch mit seinen Stärken und Kompetenzen im Blick ist, sein Lebens- und Arbeitsumfeld darauf ausgerichtet wird,beeindruckte die Delegation.

Am Abend war die Delegation mit Mitgliedern des Arbeitskreises Tansania, des Vorstands der Herrnhuter Missionshilfe und Intressierten zusammen bei einem Gartenfest.

 

 

 

Ein gemütlicher und kommunikativer Start ins Wochenende

Das Wochenende begann mit einem Grillfest im Garten. Mitglieder des Arbeitskreises, Intressierte, Menschen aus Tansania, die derzeit in Deutschland sind oder hier arbeiten, kamen zusammen. Mit dabei waren Evelyne Teschner-Klug und Gernoth Klug. Beide waren sie über lange Jahre in der Partnerschaftsarbeit aktiv. Seit Frühjahr 2017 arbeiten beide auf Sansibar. Sie gestaltenein Projekt, in dem junge Menschen ausgebildet werden. Auch Wasserentsalzungsanlagen werden in diesem Projekt betreut.

Ebenfalls zu Gast war Bettina Nasgowitz von der Herrnhuter Missionshilfe e.V., die Projekte in unserer Partnerkirche betreut und mit dem Kirchenbezirk Mühlacker eng koopierert. 

Zu Besuch beim Schreiseeadler

Nicht nur, aber auch den Schreiseeadler (Haliaeetus vocifer) besuchte die Gruppe am Samstag. Im Wildpark Cleebronn wurde die heimische Flora und Fauna erkundet. Bei der Fütterrungsrunde und den Einblicken ins Falkner-Handwerk zeigten sich die tansanischen Gäste begeistert.

Gottesdienste und Gemeindebegegungen

Am Sonntag teilte sich die Gruppe. Zwei Delegationsmitglieder waren mit Michael Gutekunst in der Kinderkirche Ötisheim zu Gast und erzählten von Tansania und dem Schulstipendium für AIDS-Waisen.
Die restliche Delegation gestaltete den Gottesdienst in Lienzingen mit.

Nach einem Mittagessen, bei dem es Maultaschen und Kartoffelsalat gab, war die Delegation beim Gemeindenachmittag in Lomersheim zu Gast.

 

 

Recycling, Villa Emmerich und Besuche im Seniorenkreis Maulbronn sowie in Basel

Am 11. Juni war Recycling und die Verwertung von Abfall inhaltlicher Schwerpunkt. Bei einem Besuch bei SITA/SUEZ in Knittlingen bekamen die tansanischen Gäste Einblicke, wie Rohstoffe wiederverwendet werden können.

Am Nachmittag war der Umgang mit Schwangeren Thema. Frau Meller von der Diakonie Enzkreis berichtete aus ihrer Arbeit und stellte den Delegationsmitgliedern vor, welche Unterstützung schwangere Mütter oder Mütter mit Säuglingen haben, um nicht in prekäre Situationen zu gelangen.

Am Dienstag besuchten Mitglieder der Delegation besuchten die Villa Emmerich in Mühlacker. Sie ist ein kooperativer Kindergarten, in dem Kinder mit und ohne Behinderung sich begegnen.
Dieses Kinderhaus wird in gemeinsamer Trägerschaft von der Stadt Mühlacker und der Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker e.V. betrieben.
Am Nachmittag des 12. Juni fand eine Begegnung im Rahmen des Seniorenkreises in Maulbronn statt, wo ein Referent des Dienstes für Mission und Ökumene und Entwicklung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg über die Problematik Palmöl vortrug.

Für zwei Tage teilte sich die Gruppe. Zakaria Sichone und Nesevilwe Msyaliha nutzen die räumliche Nähe für Gespräche mit Johannes Klemm von Mission 21 in Basel. Neben dem inhaltlichen Austausch gab es auch die Möglichkeit für einen Stadtbummel.

Für drei Tage teilten sich die Mitglieder der Delegation in drei Gruppen zu je zwei Personen auf.
Hospitationen und Gespräche bei der Diakonie im Enzkreis, der Bezirkskasse des Kirchenbezirks Mühlacker, bei der Diakonischen Jugendhilfe Maulbronn und auf dem Biohof Blessing in Wiernsheim sowie dem Schülenswaldhof Zaisersweiher waren Einsatzorte.

Als ganze Delegation nahmen die sechs Mitglieder Moravian Church Tansania, Südwest-Provinz an  Begegnungen in den Kirchengemeinden Zaisersweiher und Schmie und Freudenstein-Hohenklingen, deren Pfarrer 1981 die Geburtshelfer der Partnerschaft waren, teil. Ein Controlling-Workshop bei der DJHN am Standort Eppingen und eine Besuch der AIDS-Hilfe in Pforzheim waren weitere Programmpunkte der Delegation.

Nebenbei laufen die Vorbereitungen für das Gespräch mit Medienvertretern zum Abschluss der Delegation.

Am zweiten Wochenende fand am Samstag die Segnung der Eheleute Agape 'Monje' Sichone und Johannes Macho statt. Beide hatten sich 2010 bei einer Delegationsbegegnung in Mühlacker kennengelernt. 2016 heirateten beide in Tansania.
Bei einem Gottesdienst wurden die beiden Eheleute gesegnet und es bot sich die Möglichkeit, dass sich die Familien und Freunde der beiden in Deutschland kennenlernten.

Am Sonntag nahm die Delegation an einem Gottesdienst in der Klosterkirche in Maulbronn teil. Diesen gestaltete Dekan Jürgen Huber. Mit Liedern und einem Grußwort von Kirchenpräsident Zakaria Sichone brachte sich die Delegation ein. Ein Höhepunkt war die Feier des gemeinsamen Abendmahls im Gottesdienst.
Im Anschluss führte Pfarrer i.R. Lechler die Gruppe durch das Kloster.

In Ötisheim besuchte die Delegation das Waldenser-Museum und die dortige Waldenserkirche zu Schönenberg.Tief beeindruckt zeigte sich die Gruppe vom Leben der Waldenser und der historischen Nähe, da auch diese Glaubensflüchtlinge waren. Zudem gingen die Waldenser in der Brüdergemeine auf.

Nachmittags besuchten die Frauen der Gruppe gemeinsam mit Isolde Renner-Rosentreter das Frauenhaus in Stuttgart. Die Männer waren bei der Lernstiftung Hück zu Gast mit Klaus-Peter Böhringer und Michael Gutekunst. Das Konzept von Sport plus Bildung kam an.

 

 

Am 19. Juni besuchte die Gruppe mit Gerhard Haag das, Immanuel-Kant-Gymnasium in Leinfelden. Diese Schüler unterstützten in den letzten Jahren die Berufsschule der Partnerkirche. Neben dem Besuch im Unterricht gab es eine Führung durch die Schule durch den Schulsprecher. Auf dem Programm stand ferner eine Begegnung mit Schulleiterin Schneider-Frey.

Daran schloss sich der Besuch der berufsbildenden Philipp-Matthäus-Hahn Schule in Nürtingen an. Der Leiter der Bauabteilung, Herr Schrof, stellte die Schule vor, die Herren Klenk und Köberle zeigten die Lehrwerkstätten in den Bereichen KFZ-Ausbildung und Schreinerei. Der Abend klang bei Familie Haag im Garten aus.

Am Mittwoch traf die Delegation im Landratsamt des Enzkreises mit dem ersten Landesbeamten Wolfgang Herz, Wolfgang Schwab, Angela Gewiese und Dr Erhard Kirschbaum zusammen. Bei diesem Treffen wurden die Kooperationen von Kirche und staatlicher Verwaltung im sozialen Sektor aufgezeigt, das Thema Klima und Internationale Partnerschaften besprochen.

Im Anschluss reiste die Gruppe nach Stuttgart, um dort auf dem evangelischen Oberkirchenrat Kirchenrat Klaus Rieth, Dr. Andreas Kümmerle und Cornelia Wolf zu einem Austausch über aktuelle Entwicklungen in beiden Kirchen zu treffen.

Am Nachmittag führte Jürgen Kaiser die Gruppe durch das Evangelische Medienhaus und informierte über die aktuellen Projekte. Ein Bummel durch Stuttgart rundete den Tag ab.

Drei Wochen - wie im Flug vergangen.
Am Ende der Begegnung im Kirchenbezirk Mühlacker stand ein Mediengespräch mit Pressevertretern, die engagiert und intressiert nach den Erlebnissen der letzten drei Wochen fragten.

Daran schloss sich ein Auswertungs- und Ausblicksgespräch an. Neben den Hospitationen und den Begegnungen im Kirchenbezirk waren die kulturellen Schätze es, die Eindruck bei den Besuchern aus Mbeya machten.
Verabredet wurde, neben den Delegationsbesuchen beider Kirchen in Mühlacker und Mbeya auch eine Fachkräfte-Begegnung zu etablieren, um so miteinander zu lernen und die Zukunft zu meistern.
Bei einem Grillfest am Abend dankte Dekan Jürgen Huber den tansanischen Christen für ihren Besuch.

Am Freitag stand neben der Zeit in den Gastfamilien - die von den tansanischen Freunden sehr gelobt und für die Einblicke in den Alltag sehr bedankt wurden - auch das Johannesfest in Zaisersweiher auf dem Programm. Eine letzte Gelegenheit im Kirchenbezirk, mit den tansanischen Partnern zusammen zu sein.

Am Samstag reiste die Gruppe nach Ebersdorf, um an der Jahrestagung der Herrnhuter Missionshilfe teilzunehmen. Daran schließen sich Begegnungen in Herrnhut, der Wiege der Brüdergemeine, in Königsfeld und in Bad Boll an, bevor am 2. Juli die Gruppe wieder nach Tansania zurückkehrt.