Licht zum Lernen für Tansania

Anfang Februar wird sich eine Gruppe aus dem Mühlacker Kirchenbezirk auf den Weg machen und für drei Wochen in der tansanischen Partnerkirche unter Leitung von Dekan Jürgen Huber zu Gast sein.

Beim Besuch 2018 besuchte die tansanische Delegation die Ferdinand-Steinbeis-Berufsschule in Mühlacker und informierte sich über die Einsatzmöglichkeiten von Solartechnik.

Ein erstes Modul aus dem "Licht zum Lernen"-Projekt wurde 2016 der Partnerkirche in Tansania zur Erprobung übergeben.

Ein typisches Zimmer im Internet.

Ein Land, in dem Armut und Reichtum nah beieinander sind

Seit fast vierzig Jahren hat der Kirchenbezirk Mühlacker lebendige Kontakte zur evangelischen Kirche, der Herrnhuter Brüdergemeine (Moravian Church), in Mbeya im Südwesten von Tansania. Das Land ist bekannt aus Grzimeks Tierfilm „Serengeti darf nicht sterben“, das höchste Bergmassiv in Afrika, der Kilimandscharo und die einmalige Natur, die Strände von Sansibar oder die leckeren Produkte aus unseren Küchen wie Kaffee, Tee, Erdnüsse, Mangos, Ananas, Vanille, Zimt, … sind Assoziationen mit diesem Land.

Die Kehrseite der Medaille ist die Lebenssituation der Menschen dort. Auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwicklung (HDI) liegt Tansania auf Platz 159 von 189 Staaten, damit zählt es weltweit immer noch zu den ärmsten Staaten mit einer geringen wirtschaftlichen Entwicklung. Trotz aller Unterschiede erleben sich die Menschen beider Kirchen  als Partnerinnen und Partner auf Herzenshöhe.

Sehr wichtig dabei sind die regelmäßigen Kontakte, die durch die modernen Medien sehr erleichtert werden und die wechselseitigen persönlichen Begegnungen in Mühlacker und in Mbeya alle zwei Jahre.

Licht zum Lernen und Leben ist das Anliegen

Dabei ist das Projekt „Licht zum Lernen“ ein konkretes Anliegen: In der Highschool in Mbozi, einer vernachlässigten sehr ländlichen Region im Westen Tansanias an der Grenze zu Sambia soll es weitergehen. In vielen Häusern gibt es in dieser Gegend kein elektrisches Licht und die Familien sind auf schädliche und teure Kerosinlampen angewiesen, um nach 18.30 Uhr noch Licht zu haben.

Eine Gruppe an interessierten Schülerinnen und Schülern aus dieser Schule wird unter Anleitung ihre eigene Ladestation zusammenbauen. Hierfür wird ihnen ein Solarpaneel, eine ausgediente Autobatterie sowie eine geeignete Laderegelung durch einen Controller zur Verfügung gestellt. Diese Ladestation wird genügend 12-Volt-Ausgänge haben, um Lampen, Handys, Smartphones oder kleine Akkus zu laden. Mit diesen durch die Sonne kostenlos aufgeladenen Lampen ist es möglich, nach Einbruch der Dämmerung zu Hause oder im Wohnheim der Schule noch Hausaufgaben zu machen, zu lernen, zu lesen, zu kochen, zu spielen … . Viele Jugendliche können erst abends ihre Hausaufgaben machen, da sie bis zur einbrechenden Dunkelheit noch auf den Feldern oder im Haus mithelfen müssen.

Begegnungen auf Herzenshöhe mit praktischem Nutzen

Viel wurde erreicht, z.B. konnte vor vier Jahren dank der großzügigen Spende des Orchesters Sinfonietta unter Leitung von Wolfhard Bickel und dem Knowhow von Menschen aus dem Kirchenbezirk Mühlacker das Mädchenwohnheim an der Berufsschule in Mbeya um ein Dachgeschoss erweitert werden. Es bietet jetzt Platz für weitere 30 Schülerinnen für eine gute Berufsausbildung.
Umgekehrt sind derzeit vier junge Leute aus Mbeya für ein freiwilliges soziales Jahr in der Villa Emrich/Mühlacker und der Diakonischen Jugendhilfe in Kleingartach, um in einem sozialen Arbeitsfeld mitzuarbeiten und ihr Wissen zu erweitern.

Beziehungen leben und Leben teilen

Tansanische Lehrer werden das Projekt ebenfalls begleiten, so dass in Zukunft weitere Ladestationen in dieser einfachen Bauweise gebaut werden können. Vielleicht entwickelt sich daraus in der Schule eine kleine Schulfirma, die diese umweltfreundlichen und nachhaltigen Home Stations zum allgemeinen Verkauf in dieser armen Gegend produziert. Die erste Anschubfinanzierung ist durch Spenden von Menschen aus dem Kirchenbezirk und Bekanntenkreis möglich geworden.

Es ist es wichtig, dass sich die Delegation genug Zeit nimmt für Begegnungen mit den Menschen in der Partnerkirche. Dies sind zum Beispiel Frauen, die in der Arbeit mit Aids-Waisenkindern und anderen vernachlässigten armen Kindern und Jugendlichen tätig sind. Das Schulkindprojekt Nsalaga im Kirchenbezirk unterstützt diese Arbeit, so dass die Leiterin Pfarrerin Bahati Mshani Schulmaterial, Schulkleidung und Schuhe, eine Krankenversicherung, Zusatznahrung für an Aids erkrankte Kinder kaufen kann.

Vorfreude auf Begegnungen und neue Impulse

„Wir freuen uns auf drei spannende Wochen mit unseren tansanischen Geschwistern, auf viele Gespräche, das gegenseitige Zuhören, Beobachten und Austauschen über das, was uns als Christen wichtig ist. Bisher erfolgreich Begonnenes soll fortgeführt und neuen Ideen, die unsere Partnerschaft in Zukunft tragen und stärken soll Raum gegeben werden“ blickt Barbara Straub, die sich seit Jahrzehnten in der Partnerschaftsarbeit engagiert, den Tagen in Tansania entgegen.