Gemeinde weiterdenken und Kirche innovativ gestalten

Mühlacker | Mit neuen Impulsen will der Evangelische Kirchenbezirk Mühlacker aktuelle Herausforderungen angehen. Anregungen und Austausch dazu bietet ein Impulstag am 2. Februar in der Pauluskirche Mühlacker von 9 bis 15 Uhr.

Kirchenbezirk initiiert Hoffnungsprojekte

Setzen auf Hoffnungsprojekte und Inspiration durch den Impulstag am 2. Februar: Pfarrer Hans-Ulrich Läpple, Dekan Jürgen Huber und Kirchengemeinderat Joachim Kälber

Anliegen sei es, konstruktiv mit den Veränderungen umzugehen, in denen sich Kirche und Gesellschaft finden, so Dekan Jürgen Huber. Die Veränderungen in der Altersstruktur der Gesellschaft, der auch die Kirche trifft, da mehr Menschen versterben als getauft werden oder eintreten und dies sich auch in der Personalsituation zeige. Pfarrerinnen und Pfarrer der geburtenstarken Jahrgänge gehen in den nächsten Jahren in Ruhestand, wenig Theologennachwuchs wächst nach. Hinzu komme, so Huber, ein „Traditionsabbruch“, der sich darin zeigt, dass Menschen beispielsweise bei kirchlichen Feiertagen kaum mehr wüssten, warum diese begangen werden.

Diesen Herausforderungen stellt sich der Kirchenbezirk mit „Hoffnungsprojekten“, mittels denen diesen Entwicklungen ein „positives Zeichen“ entgegengesetzt werden soll. Um diese Projekte zu ermöglichen, hat die Evangelische Landeskirche in Württemberg Gelder dem Kirchenbezirk zur Verfügung gestellt. Diese werden durch den Kirchenbezirk an die Bezirksgemeinden vergeben.

Beispiele, wie solche Zeichen aussehen können, gibt ein Impulstag am 2. Februar in der Pauluskirche. Neun verschiedene Workshops, zwei Impulsreferate und Zeit für Begegnung und Austausch inklusive eines Büchertischs wollen Ideen geben, Begeisterung wecken und nach vorne weisen.

Neben dem Geld der Landeskirche steht das inhaltliche Know How der Werke und Einrichtungen des Kirchenbezirks Mühlacker den Gemeinden bei der Entwicklung solcher Hoffnungsprojekte zur Verfügung. Diese sind an diesem Tag auch vertreten.

Lernen von den Angelikanern

Keine Zauberformel, sondern Erkenntnisse verbirgt sich hinter dem Begriff „Fresh X“. Das X ist die Kurzform von expressions, zu Deutsch geht es um „frische Ausdrucksformen“. Entwickelt wurde dies in England durch die angelikanische Kirche. Diese ist in viel stärkerem Maße von der Entkirchlichung betroffen, so Pfarrer Hans-Ulrich Läpple. Läpple sammelte in der Jugendkirche Joy in Althengstett Erfahrungen mit Fresh X. In England wurden kleine „Keimzellen“ gegründet, die an Plätzen, wo Menschen Leben im Alltag das Christsein zum Thema machen. Dabei war eine Geh-Struktur im Fokus, bei der wie Jesus es vorlebte. Er sprach mit den Menschen wo er sie antraf, auf zwanglose Art und Weise. Die bestehende „Komm-in-die-Kirche-Strukturen sind nicht mehr zeitgemäß“. 

Mehr Informationen zu der Bewegung Fresh X auf www.freshexpressions.de/

Hoffnungsprojekte fördern durch Geld und Know How

Joachim Kälber, Kirchengemeinderat in Enzberg, bestärkt diese Haltung. „Oft ist es wichtig, den Menschen zuzuhören, für sie da zu sein“ und vor allem „den Glauben im Alltag zu leben“. Ergänzend seien innovative, zeitgemäße Angebote nötig. Um diese neben den regulären Aufgaben einer Kirchengemeinde, die sich auch im finanziellen Haushalt niederschlagen, zu ermöglichen, stellt die Evangelische Landeskirche in Württemberg dem Kirchenbezirk Mühlacker Gelder zur Verfügung. Kirchengemeinden können bei Kirchenbezirk zur Umsetzung solcher Projekte, die Kirche innovativ gestalten, bis zu 5.000 Euro bekommen. „Die Kirchengemeinden müssen lediglich einen Antrag stellen“, so Kälber.

Dass dies gelingen kann und Ehrenamtliche bereit sind, sich in solche zukunftsweisenden Projekten einzubringen, zeigen die Ergebnisses des Projekts Diakonat neu gedacht – neu gelebt, im Rahmen dessen der Kirchenbezirk sein diakonisch-missionarisches Profil schärfte. Aus diesem Projekt ging der Jugendgottesdienst „FischFabrik“ hervor, der bis heute von Ehrenamtlichen gestaltet wird.