Karibu Sana! Delegationsreise nach Tansania

„Karibu Sana! – Herzlich willkommen“ – unzählige Male bekamen wir diesen Gruß auf unserer Delegationsreise in unserem Partnerbezirk in Tansania zu hören. Wir – das war eine insgesamt elfköpfige Delegation aus unserem Kirchenbezirk. Seit vierzig Jahren unterhält unser Kirchenbezirk eine Partnerschaft mit der „Moravian Church Tanzania – South-West Province“. Regelmäßig gibt es seither gegenseitige Besuche, die das Miteinander stärken und vertiefen.

In diesem Jahr war unsere Delegation außergewöhnlich groß, da auch wieder eine Projektgruppe dabei war. Diese vermittelte in der Highschool im Ort Mbozi jungen Leuten Kenntnisse zum Bau von kleinen Solaranlagen. Die Schüler der Schule sind nach dem Unterricht oft auf den Feldern der Familien eingespannt. Wenn sie dann heimkommen ist es bereits dunkel und viele haben keine oder nur ungenügende Beleuchtungsmöglichkeiten, um abends noch Hausaufgaben zu machen. Diese kleinen Solaranlagen für ihr Zuhause ermöglichen ihnen eine gute Beleuchtung mit lichtstarken LED-Leuchten, gleichzeitig können Mobiltelefone und Taschenlampen aufgeladen werden. Wir hoffen, dass sich diese Idee herumspricht und das neu erlernte Wissen an andere Schüler, Lehrer, Mitbewohner … weitergegeben wird.

Das zweite Projekt dieser Gruppe war noch eine Nummer größer: Die Highschool der Moravian Church bietet für die etwa 200 Schülerinnen und Schüler notwendige Internatsplätze an. Immer wieder gibt es hier Probleme mit der Wasserversorgung, da das Wasser mit Hilfe einer elektrischen Pumpe aus einer Quelle in einem nahegelegenen Tal hochgepumpt und in Wassertanks gespeichert werden muss. Immer wieder fällt der Strom aus, der zudem sehr teuer ist. In den vergangenen drei Wochen konnten hier Solarpanels installiert werden, die jetzt eine leistungsfähigere und weniger stromfressende Pumpe antreiben. Wenn die Sonne mal nicht scheint, kann die Pumpe aber auch durch das normale elektrische Netz betrieben werden. Wir hoffen, dass mit dieser Installation die Wasserversorgung künftig sicherer ist und die Betriebskosten für die Schule deutlich sinken werden.

Neben Begegnungen mit Schülern und Lehrern war es der Delegation wichtig, bestehende Kontakte zu vertiefen und Gespräche mit der Kirchenleitung und weiteren in der Kirche Verantwortlichen in der Stadt Mbeya zu führen.

Wir besuchten den Ort Nsalaga, an dem sich die Moravian Church mit ihrer Pfarrerin Bahati seit 2006 jeden Samstag um Kinder kümmert, die von der Krankheit AIDS betroffen sind. Z.T. sind es Halbwaisen- und Waisenkinder, die z.B. bei den Großeltern aufwachsen, weil die Eltern bereits an AIDS verstorben sind, manche Kinder sind selbst infiziert. Einige aus unserem Kirchenbezirk unterstützen mit einer Patenschaft dieses Schulkindprojekt und ermöglichen den vernachlässigten Kindern und Jugendlichen so den Schulbesuch oder auch einen Ausbildungsplatz. Es war eine Freude mit zu erleben, wie begeistert die Kinder die einfachen von uns mitgebrachten Spiel- und Malsachen in Empfang nahmen und fröhlich und ausgelassen damit spielten.

Auch anderswo unterstützt die Moravian Church von AIDS betroffene Menschen, die in Tansania oft unter massiver Ausgrenzung und Repressionen zu leiden haben. Und natürlich wird versucht durch entsprechende Aufklärungsarbeit eine Weiterverbreitung der Krankheit zu verhindern.

 

Ein anderes großes, diakonisches Projekt, das zurzeit im Aufbau ist, ist die Arbeit mit Menschen mit einer Behinderung und die Einrichtung von Werkstätten. Familien mit solchen Kindern werden gemieden, die Kinder im Haus versteckt. Hier suchen die Verantwortlichen nach Hilfe und Unterstützung.

Eine weitere große Herausforderung für unsere Partnerkirche ist das Wachstum ihrer Kirche. Bei einem Sonntagsgottesdienst fiel es uns auf, es saßen genau so viele Kinder wie Erwachsene, vor allem Frauen in der Kirche. Während bei uns Kirchengemeinden und Kirchenbezirke fusionieren, steht dort eine Teilung an. Das seitherige „Distrikt“ Mbozi wird eine eigene „Provinz“, da die Zahl der Christen und der Gemeinden dort so gewachsen ist. Welche Auswirkungen diese Teilung auf unsere Partnerschaft haben wird, bleibt eine spannende Frage.

Etwas Besonderes waren für uns die Gottesdienste an den beiden Sonntagen: Als wir kamen, ein überaus warmherziger Empfang durch die Gemeinde, ein Kirchenraum, erfüllt mit den sich abwechselnden Gesängen und Tänzen der verschiedenen Chöre. Als Gast durfte Dekan Jürgen Huber jeweils die Predigt halten, die am ersten Sonntag von Bischof Cheyo und am zweiten von Kirchenpräsident Sichone übersetzt wurde. Zakarija. Sichone gehörte vor zwei Jahren zur Delegation, die uns besuchte. Beide verstehen sehr gut Deutsch, was das Predigen natürlich wesentlich vereinfachte. Ungewohnt für uns war sicher die Länge, doch für die Gemeinden dort ist der Sonntag für den Gottesdienst reserviert. So dauerte jede Feier etwa drei Stunden, das heißt am ersten Sonntag durften wir sechs Stunden Gottesdienst feiern.

Am letzten Tag wurden wir auf einer Farewell-Party herzlich verabschiedet. Noch einmal waren nahezu alle Gesprächs- und Begegnungspartner da, die wir in den knapp drei Wochen getroffen hatten; noch einmal nahmen wir Grüße nach Mühlacker mit und die ausdrückliche Bitte, für alle Verantwortlichen im Haupt- und Ehrenamt und für die neue Provinz in unseren Gemeinden zu beten, bevor wir uns dann mit einem herzlichen „Mungu akubariki!“ (Gott segne dich) verabschiedeten.

Barbara Straub & Jürgen Huber