Karibu Sana! Delegationsreise nach Tansania

Delegation des Kirchenbezirks Mühlacker

„Karibu Sana! – Herzlich willkommen“ – unzählige Male bekamen wir diesen Gruß auf unserer Delegationsreise in unserem Partnerbezirk in Tansania zu hören. Wir – das war eine insgesamt elfköpfige Delegation aus unserem Kirchenbezirk. Seit vierzig Jahren unterhält unser Kirchenbezirk eine Partnerschaft mit der „Moravian Church Tanzania – South-West Province“. Regelmäßig gibt es seither gegenseitige Besuche, die das Miteinander stärken und vertiefen.

Projektgruppe in Sachen Licht zum Lernen reist mit

Klaus-Peter Böhringer erklärt ganz praktisch in der Berufsschule, wie eine Ladestation für Solarmodule selbst gebaut werden kann.

In diesem Jahr war unsere Delegation größer, da wieder eine Projektgruppe dabei war. Diese vermittelte in der Highschool im Ort Mbozi jungen Leuten Kenntnisse zum Bau von kleinen Solaranlagen.

Die Schüler der Schule sind nach dem Unterricht oft auf den Feldern der Familien eingespannt. Wenn sie dann heimkommen ist es bereits dunkel und viele haben keine oder nur ungenügende Beleuchtungsmöglichkeiten, um abends noch Hausaufgaben zu machen.

Diese kleinen Solaranlagen für ihr Zuhause ermöglichen ihnen eine gute Beleuchtung mit lichtstarken LED-Leuchten, gleichzeitig können Mobiltelefone und Taschenlampen aufgeladen werden. Wir hoffen, dass sich diese Idee herumspricht und das neu erlernte Wissen an andere Schüler, Lehrer, Mitbewohner … weitergegeben wird.

Wasserversorung sichergestellt in der Mbozi Highschool

Gemeinsam montieren tansanische und deutsche Partner die Solarpanele für die Pumpe. Dies kann auch über einen Stromanschluss betrieben werden bei Bedarf.

Das zweite Projekt dieser Gruppe war noch eine Nummer größer: Die Highschool der Moravian Church bietet für die etwa 200 Schülerinnen und Schüler notwendige Internatsplätze an. Immer wieder gibt es hier Probleme mit der Wasserversorgung, da das Wasser mit Hilfe einer elektrischen Pumpe aus einer Quelle in einem nahegelegenen Tal hochgepumpt und in Wassertanks gespeichert werden muss.

Immer wieder fällt der Strom aus, der zudem sehr teuer ist. In den vergangenen drei Wochen konnten hier Solarpanels installiert werden, die jetzt eine leistungsfähigere und weniger stromfressende Pumpe antreiben. Wenn die Sonne mal nicht scheint, kann die Pumpe durch das normale elektrische Netz betrieben werden. Wir hoffen, dass mit dieser Installation die Wasserversorgung künftig sicherer ist und die Betriebskosten für die Schule deutlich sinken werden.

Partnerschaft leben heißt Kontakte vertiefen und miteinander im Gespräche sein

Gespräch mit den Verantwortlichen in der Frauenarbeit der Moravian Church SouthWest Tansania, Pfarrerin Tulinagwe Kibona und Pfarrerin Bahati Mshani Pangani.

Neben Begegnungen mit Schülern und Lehrern war es der Delegation wichtig, bestehende Kontakte zu vertiefen und Gespräche mit der Kirchenleitung und weiteren in der Kirche Verantwortlichen in der Stadt Mbeya zu führen.

Besuch bei sozial benachteiligten Kindern auf Grund von HIV und Armut

Wir besuchten den Ortsteil Nsalaga, an dem sich die Moravian Church mit ihrer Pfarrerin Bahati  seit 2006 jeden Samstag um Kinder kümmert, die von der Krankheit AIDS betroffen sind. Zum Teil sind es Halbwaisen- und Waisenkinder, die z.B. bei den Großeltern aufwachsen, weil die Eltern bereits an AIDS verstorben sind, manche Kinder sind selbst infiziert. Menschen und Gemeinden aus unserem Kirchenbezirk unterstützen mit einer Patenschaft dieses Schulkindprojekt und ermöglichen den vernachlässigten Kindern und Jugendlichen so den Schulbesuch oder auch einen Ausbildungsplatz. Es war eine Freude mit zu erleben, wie begeistert die Kinder die einfachen von uns mitgebrachten Spiel- und Malsachen in Empfang nahmen und fröhlich und ausgelassen damit spielten.

In ganz Tansania unterstützt die Moravian Church von AIDS betroffene Menschen, die oft unter massiver Ausgrenzung und Repressionen zu leiden haben. Natürlich wird versucht durch entsprechende Aufklärungsarbeit eine Weiterverbreitung der Krankheit zu verhindern. Die Partnerkirche unterhält dazu eine eigene Einrichtung.

Ein anderes großes, diakonisches Projekt ist zurzeit im Aufbau. Dieses widmet sich der Arbeit mit Menschen mit einer Behinderung und die Einrichtung von Werkstätten für sie. Familien mit solchen Kindern werden gemieden, die Kinder im Haus versteckt. Hier suchen die Verantwortlichen nach Hilfe und Unterstützung.

Informationen zur Frauenarbeit auf der Internetseite der Moravian Church SouthWest Tansania

Partnerschaft leben heißt Kontakte vertiefen und miteinander im Gespräche sein

Bahati Mshani Pangani erläutert das Projekt für Waisen und sozial benachteiligte Kinder vor Ort.

Die Kinder freuen sich über die mitgebrachten Malstifte. Spender, zum Großteil aus dem Kirchenbezirk Mühlacker, geben den Kindern eine Zukunft mit 15 Euro pro Monat.

Lachende Kinder, die in Nsalaga durch das Engagement von Bahati Mshani Pangani und weiteren ehrenamtlich Tätigen für ein paar Stunden ihren schweren Alltag vergessen können.

Gemeindewachstum in Tansania

Herzliche Begegnungen bei einem Gottesdienst in der Provinz Mbozi

Eine weitere große Herausforderung für unsere Partnerkirche ist das Wachstum ihrer Kirche. Bei einem Sonntagsgottesdienst fiel es uns auf, es saßen genau so viele Kinder wie Erwachsene, vor allem Frauen in der Kirche. Während bei uns Kirchengemeinden und Kirchenbezirke fusionieren, steht in der Partnerkirche eine Teilung an.

Das seitherige „Distrikt“ Mbozi wird eine eigene „Missions-Provinz“, da die Zahl der Christen und der Gemeinden dort so gewachsen ist. Welche Auswirkungen diese Teilung auf unsere Partnerschaft haben wird, ist eine offene Frage, die gemeinsam mit den Partnern zu bearbeiten ist.

Herzlich empfangen bei Gottesdiensten

Dekan Jürgen Huber und Bischof Dr. Alinikisa F. Cheyo

Begegnungen nach dem Gottesdienst stiften Gemeinschaft.

Etwas Besonderes waren für uns die Gottesdienste an den beiden Sonntagen: Als wir kamen, ein überaus warmherziger Empfang durch die Gemeinde, ein Kirchenraum, erfüllt mit den sich abwechselnden Gesängen und Tänzen der verschiedenen Chöre.

Als Gast hielt Dekan Jürgen Huber jeweils die Predigt, die am ersten Sonntag von Bischof Dr. Alinikisa F. Cheyo und am zweiten von Pfarrer Zacharia Sichone übersetzt wurde. Zacharia Sichone gehörte vor zwei Jahren zur Delegation, die uns im Kirchenbezirk Mühlacker besuchte.

Beide sprechen sehr gut Deutsch, was das Predigen wesentlich vereinfachte. Ungewohnt für uns war die Länge. Für die Christinnen und Christen in der Partnerkirche ist der Sonntag für den Gottesdienst reserviert und eine ausführliche, den Predigttext darlegende Predigt, die Chöre und gemeinsamen Gesänge ein wichtiges Element. Es dauerte jede Feier etwa drei Stunden, das heißt am ersten Sonntag durften wir sechs Stunden Gottesdienst feiern.

Mungu akubariki! Ein herzlicher Abschied

Noch einmal hatten die tansanischen und deutschen Partner Zeit, um ins Gespräch zu kommen bei der Abschiedsparty.

Dekan Jürgen Huber und Kirchenpräsident Zacharia Sichone schneiden gemeinsam die Abschiedstorte an.

Am letzten Tag wurden wir auf einer Farewell-Party herzlich verabschiedet. Noch einmal waren nahezu alle Gesprächs- und Begegnungspartner da, die wir in den knapp drei Wochen getroffen hatten. Noch einmal nahmen wir Grüße nach Mühlacker mit und die ausdrückliche Bitte, für alle Verantwortlichen im Haupt- und Ehrenamt und für die neue Provinz in unseren Gemeinden zu beten, bevor wir uns dann mit einem herzlichen „Mungu akubariki!“ (Gott segne dich) verabschiedeten.

Barbara Straub und Jürgen Huber

 

 

Zum Abschied gab es Erinnerungsgeschenke an die Mitglieder Delegation, überreicht durch den Schulleiter der Mbozi Highschool, Elia Msyaliha