Evangelischer Kirchenbezirk denkt Kirche in verheißungsvoller Weise weiter

Zu einem Tag mit Überlegungen und Impulsen, wie Kirche sein kann, lud der Kirchenbezirk Mühlacker in die Pauluskirche Mühlacker ein. Zwei Impulsreferate und neun Workshops ermöglichten es, mit nüchternem Blick Impulse und Anregungen zu gewinnen, wie Gemeinde sich entwickeln kann. 120 Teilnehmende nahmen die Einladung an und erlebten einen vielfältigen Tag mit Gemeinschaft, Impulsen, Musik und Begegnungen.

Gott weitet den Horizont

Dekan Jürgen Huber begrüßt die Anwesenden beim Impulstag und gibt einen geistlichen Impuls an der Person des Abraham.

In seiner Begrüßung machte Dekan Jürgen Huber deutlich, was der Tag nicht sein soll: eine „Kopierwerkstatt“ und es gehe nicht darum, „noch mehr draufzupacken“.

An der Person von Abraham machte Huber deutlich, dass Routinen, vermeintliche Sachzwänge und ein „haben wir schon immer so gemacht“-Denken von Gottes Einladung in die Weite überholt werden. „Die Wirklichkeit Gottes ist viel weiter, größer“, so Huber; Gott lade dazu ein, sich auf sein Wirken einzulassen und zu erleben, „diesem Gott kann ich vertrauen“, gerade wenn sich die Welt und die Gottesbilder sich ändern. Darin liege eine große Verheißung, so der Dekan des Kirchenbezirks Mühlacker. In zwei kurzen Referaten zeigten Pfarrer Dr. Johannes Reinmüller und Pfarrer Matthias Hanßmann Perspektiven auf, wie mit der Situation umgegangen werden kann.

Leuchtfeuer statt Anspruch auf Vollversorgung

Pfarrer Dr. Johannes Reinmüller bei seinem Impulsreferat.

Reinmüller machte deutlich, dass innovative Kirche nüchtern erkennt, dass sie kleiner wird. Das ist wahrzunehmen, aber von dieser Tatsache dürfe sich Kirche nicht gefangen nehmen lassen. Es gilt damit umzugehen „ohne Beschönigungen“ und „Schuldzuweisungen“. Sie sieht dankbar, dass viel vorhanden ist an Netzwerken, Mitarbeitenden und Geld. Das ist Potential, das es zu nutzen gilt und mutig Kirche zu gestalten.

Es gelte, in der Absicht zu handeln, dass Neues zugelassen wird. Nicht sich selbst überlassen, sondern neue Aufbrüche werden begleitet, es wird Hilfe angeboten und nachgefragt. Dabei werden Schwerpunkte gesetzt und zentral ist das Bekenntnis, dass ohne Jesus als den Herrn der Kirche alles nichtig ist. „Wenn die evangelische Kirche den Anspruch hat, Volkskirche zu sein, dass die Botschaft von Jesus Christus allen Menschen gilt, wenn sie den Anspruch hat, dass evangelischer Glaube hier in der Region fröhlich und verbindlich gelebt werden kann, sind Innovationen notwendig“, so Reinmüller. Es gilt, Leuchtfeuer zu entzünden und wegzukommen von dem Anspruch, dass in jeder Kirchengemeinde alles vorhanden ist. Gabenorientiert, vernetzt und mit Profil sei eine innovative Kirchengemeinde, zeigte Reinmüller auf.

Gott schenkt Neues klein, aber gewaltig

Matthias Hanßmann macht deutlich, dass Aufbrüche und Strukturen einander bedürfen

Pfarrer Matthias Hanßmann, Mitglied der Landessynode und Vorsitzender des Strukturausschusses, machte deutlich, wie Dinge, die aufwachsen, gefördert werden können bei allen notwendigen Veränderungen. Der Strukturausschuss beschäftigt sich mit der Entwicklung von zukunftsorientierten PfarrPlan-, Immobilien- und Strukturlösungen in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

„Struktur und Haltung gehören zusammen“, so Hanßmann, denn „was neu und hoffnungsvoll ist, ist auch eine Strukturfrage“, es braucht Organisation. Hanßmann stellt die Frage in den Raum, wie Entscheidungen herbeigeführt werden können der Menschen wegen. Er zeigte auf, dass dorthin, wo eine Gruppe von Menschen gemeinsam blickt, eine Neugierde herrscht und Interesse entsteht. „Wo Haltung und ein notwendiger Strukturwandel gemeinsam wirken, passiert etwas in Gemeinden“, es bedarf Menschen, die authentisch ihren Glauben leben und sich in eine Richtung bewegen, die aufschauen zum Herrn der Kirche. Dann wird Interesse bei den Menschen um sie her geweckt.

Hanßman legte den Fokus auf die Menschen, um die es gehe und fragte provokant, wie viel Kraft für Immobilen aufgewendet werde und wie viel, Menschen vom christlichen Glauben zu erzählen. Er zeigte auf, dass Jesus auf die Menschen zuging und seine Nachfolger zu den Menschen sendet. „Gott schenkt Neues klein, aber gewaltig“, das gebe Hoffnung, Neues anzugehen mit Haltung und Strukturen, so der Landessynodale.

Menschen haben Lust, Kirche zu gestalten

Workshops gaben Impulse

Anhand von neun Workshops wurden Impulse vermittelt, wie mit Haltung und Struktur Innovationen aussehen können. Die Themen reichten von  Jugendgemeinde – mit Jugendlichen innovativ aufbrechen, Kinderstadt und noch viel mehr über „FreshX im Nagelstudio“ und „Kurse-zum-Glauben“ hin zu „10x neue Aufbrüche“, „ Gemeinden feiern Festivals“ und „Innovatives Handeln & neue Aufbrüche“ sowie „Als Gemeinde Zeichen setzen“ oder Kirche Kunterbunt“.

„Wir wollen Anregungen geben“, so Dekan Jürgen Huber, welche Impulse die Gemeinden konkret angehen wollen, entscheiden sie selbst. Hans Veit, Pfarrer in Knittlingen erlebt, dass die Menschen Lust haben, in ihrer Kirche etwas zu verändern. Einiges geschieht bereits im Kirchenbezirk Mühlacker. Im Frühjahr findet „Theologie im Cafe“ im Bistro Würmle in Mühlacker-Dürrmenz statt, zwei Gemeinden überlegen, einen Bauwagen als Cafe zu gestalten und damit von Ort zu Ort zu fahren. 

Vorbildlich Thema Innovationen in der Kirche angegangen

Engagierte Teilnehmende in den Workshops

Johannes Reinmüller zeigt sich begeistert von diesem Tag. „Der Kirchenbezirk Mühlacker ist ein Vorbild, wie er mit diesem Impulstag das Thema Innovationen umsetzt“. Kein anderer Kirchenbezirk habe sich in dieser Weise mit Elementen wie miteinander Reden, einander Begegnen, Impulsen und Workshops so offen und verheißungsvoll drauf eingelassen. Reinmüller leitet das Projekt Innovatives Handeln und Neue Aufbrüche. Er ist beauftragt, innovatives Handeln und neue Aufbrüche innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zu beraten und zu fördern.

Eine finanzielle Förderung der Projekte, die nach diesem Tag entstehen, kann durch Kirchengemeinden in Höhe von 5.000 Euro je Projekt beim Kirchenbezirk Mühlacker beantragt werden. In Summe stehen 120.000 Euro zur Verfügung.