Kirche hat den Auftrag, dass sie präsent ist, dass sie präsent bleibt

Kirchenparlament befasst sich mit Inhalten und Perspektiven

Mühlacker | In ihrer Frühjahrstagung befasste sich die Synode des Kirchenbezirks Mühlacker als regionales Kirchenparlament schwerpunktmäßig mit dem Bericht von Schuldekanin Gabriele Karle und dem Tun der Bezirkswerke und -einrichtungen.

Bericht von Schuldekanin Gabriele Karle

Schuldekanin Gabriele Karle beim Vortrag

© Kirchenbezirk Mühlacker

Schuldekanin informiert über die Situation an Schulen und dem Engagement der evangelischen Landeskirche in Württemberg für den evangelischen Religionsunterricht.

Die Bedeutung des Religionsunterrichts zeigt sich in den 476 Wochenstunden evangelische Religion, die für 4.900 Schülerinnen und Schüler erteilt werden.

Karle zeigte unter dem Stichwort Schulentwicklung auf, dass die Schulen vor Herausforderungen stehen. Grundschulen müssen sich zu Ganztagesschulen verändern. Die Gemeinschaftsschulen im Kirchenbezirk Mühlacker haben in den nächsten Jahren Erstentwicklungsaufgaben zu bewältigen, „auch der Religionsunterricht muss als ordentliches Unterrichtsfach in der Gemeinschaftsschule mindestens auf drei Niveaus erteilt werden und sich gegebenenfalls auch mit der Inklusion auseinandersetzen“, skizziert die Schuldekanin diese Aufgaben. Zusätzlich ist die Personalsituation schlecht, der „Arbeitsmarkt für Lehrkräfte ist völlig leer gefegt“, der Lehrerbedarf ist nicht zu decken. Dies ist auf unterschiedliche politische Entscheidungen im Zeitraum von 2006 bis 2015 zurückzuführen.

Weiter ging die Pädagogin auf den neuen Bildungsplan ein. Dieser beinhaltet allgemeine und themenspezifische Leitperspektiven. Erstere zielen auf grundlegende Haltungen ab, die für eine freiheitliche, demokratische und rechtsstaatliche Gesellschaft unabdingbar sind. Hier soll ein Bewusstsein geschaffen werden, dass das, „was wir tun, auch in fernerer Zukunft Auswirkungen haben kann, und man lernen muss, für diese Zukunft Verantwortung zu übernehmen“. Themenspezifische Leitperspektiven haben die „praktische Handlungsfähigkeit und Mündigkeit in einer sich schnell und nicht immer unproblematisch entwickelnden Gesellschaft“ im Blick.

Dies zeigt sich auch in der Bereitstellung von Vertretungskräften, in den angebotenen Fortbildungen wie z.B. dem Grundschultag, der religionspädagogischen Jahrestagung und Fortbildungen zum neuen Bildungsplan.

Weitere Streiflichter, die die Schuldekanin aus den Arbeitsbereichen gab, waren unter anderem der ‚Gottesdienst für Lehrende, Erziehende und Interessierte’, in dessen Rahmen die kirchliche Bevollmächtigung zur Erteilung evangelischen Religionsunterrichts von staatlichen Lehrkräften geschieht und der Begleitung von angehenden Religionspädagogen.

„Was hat uns die Reformation gebracht?“

In einer offenen Phase zeigten Diakonie, Erwachsenenbildung, Jugendwerk, Gemeindediakonat, Kindergartenfachberatung, Kirchenmusik, Öffentlichkeitsarbeit und die Partnerschaftsarbeit Tansania an interaktiven Stationen auf, was ihre aktuellen und grundsätzlichen Aufgaben sind. Dies geschah unter anderem mit Plakaten, auf denen anhand von Kernaussagen der Reformation ein Bezug zu heute aktuellen Themen und deren Bearbeitung durch die Werke aufgezeigt wurden. Bilder, Filme, Broschüren und Flyer und vor allem die Möglichkeit zum Gespräch fanden regen Anklang seitens der Synodalen.

Auf der Synode wurde das Bezirksjournal, das die Wirkungen der Reformation bis heute thematisiert, präsentiert. Dieses liegt in den Gemeinden auf und ist wie auch die Plakate der Bezirkseinrichtungen unter www.reformation-bei-uns.de online.

© Kirchenbezirk Mühlacker

Diakon Thomas Knodel im Gespräch mit Intressierten

© Kirchenbezirk Mühlacker

Kirchenmusikdirektorin Erika Budday informiert über die Aufgaben und Inhalte der kirchenmusikalischen Arbeit im Kirchenbezirk Mühlacker

© Kirchenbezirk Mühlacker

Bezirksprofil und Pfarrplan

Dekanstellvertreter Ernst-Dietrich Egerer zeigte den Stand an der Arbeit am Bezirksprofil auf. Dieser Prozess durchlief mehrere Stationen, die unter anderem eine Bestandsaufnahme, die Erarbeitung von Zielen und Visionen umfasste. „Vision ergänzen“. Derzeit wird eine Aufstellung der finanziellen Möglichkeiten erstellt. Anschließend werden inhaltliche Überlegungen und finanzielle Möglichkeiten miteinander verbunden, die „zielen auf ein konkret formuliertes Bezirkskonzept ab“, so Egerer.

Unter dem Stichwort Pfarrplan wurden die anwesenden Gemeindevertreter über das Vorgehen im Rahmen des Pfarrplans informiert. Der Dekanstellvertreter plädierte dafür, das landeskirchliche Motto „zusammen-wachsen“ im doppelten Wortsinn von zusammen wachsen und zusammenwachsen zu verstehen. „Es ist zumindest einen Versuch wert, mit einer anderen Grundhaltung in den Prozess zu gehen, als es in den anderen Pfarrplänen der Fall war.“ Die Grundlagen hierfür seien auch Dank Dekan i.R. van Luijk gelegt worden, wo jetzt anstehende Schritte bereits mitbedacht wurden. Es gilt, die von der Landeskirche vorgegebene Zielzahl von 3,25 Pfarrstellen bis 2024 zu reduzieren. Pfarrer Egerer zeigt sich auf Grund geleisteter Vorarbeit  zuversichtlich: „Da wir beim letzten Mal Ideen entwickelt haben, wirft uns das nicht um“. In einem von außen moderierten Prozess soll im Herbst der Synodalversammlung ein Konzept vorgestellt werden. Für die Synode im Frühjahr 2018 ist das Ziel, das der Ausschuss das endgültige Konzept erarbeitet hat mit Blick auf 2030.

Die Synodalen beschlossen bei der evangelischen Landeskirche in Württemberg auf Grund eines landeskirchlichen Interesse „fröhlich, frech, fromm, frei“, so Pfarrer Hans Veit, den Antrag auf eine Reduzierung der Zielzahl um 0,25 Pfarrstellen zu stellen. Dies ist möglich, wenn Stellenanteile für überregionale Aufgaben im landeskirchlichen Interesse aufgewandt werden, wie es im Kloster Maulbronn der Fall ist. Dort werden „seit Jahren mit hohem Einsatz die Fortführung der aus dem landeskirchlichen Projekt ‚Kirche für das Volk’ geistliche Bildungsarbeit“ durch die Pfarrstelle in Maulbronn geleistet.

Kirche als Dienstleister für das Gemeinwohl

Aus der Arbeit der Landessynode informierten Dorothee Knappenberger und Pfarrer Hans Veit. Knappenberger plädierte dafür, „Veränderung aktiv zu gestalten“ und machte deutlich, dass Kirche in Zukunft Dienstleister für das Gemeinwohl im Dorf sein werde. „Kirche hat den Auftrag, dass sie präsent ist, dass sie präsent bleibt“, so die Landessynodale.
Hans Veit zeigte einige Themen auf, die die Landessynode derzeit bearbeitet: Wo finden junge Erwachsene Heimat? Dies wird derzeit mit einer Projektstelle bearbeitet, hier gibt es erste konkrete Erfahrungen und Projekte. Weitere Themen sind die Förderungen des „Haus der Kinderkirche“ in Beilstein und der kirchenmusikalischen Ausbildung.

Über das derzeit laufende Besetzungsverfahren der Dekansstelle informierte der Vorsitzende der Bezirkssynode, Bernd Dingler. Hier finden derzeit Gespräche mit interessierten Personen, die sich bewerben können, statt. Aus dem Bewerberpool schlägt der Oberkirchenrat dem Besetzungsgremium bis zu drei Bewerber vor. Es besteht die Aussicht, dass die Dekansstelle im Kirchenbezirk Mühlacker nach den Sommerferien wieder besetzt sein kann.

Der Synodalversammlung ging ein Gottesdienst im Paul-Gerhardt-Gemeindezentrum Mühlacker voraus. In diesem wurde eine Kollekte in Höhe von 545,92 Euro für die Menschen, die durch die anhaltenden Regenfälle ausgelösten zahlreichen Erdrutsche und Überschwemmungen ihr Hab und Gut verloren haben, eingelegt.