„Bebba blieba isch a riesiger Schatz für älle Leit!“

Kirchenbezirk stellt die Frage, wie es am Ende des Reformationsjubiläums weitergeht
Impulse unterschiedlichster Art mit Spiritual Jazz, Kleinkunst, Film und einer Gesprächsrunde gab es im Scala-Kino zu der Frage, wie es jetzt nach dem Reformatonsjubiläum weitergehen kann.

Veränderungen der Reformation sind aktuell und wichtig

Alfred Nägele, evangelischer Schwabe aus und mit Leidenschaft, eröffnete die Veranstaltung im Scala Filmtheater, zu der der Kirchenbezirk Mühlacker eingeladen hatte. Vortrefflich von Manfred Geywitz gespielt, hatte er die Lacher auf seiner Seite, als er gekonnt mit Leidenschaft Luther zitierte und die Relevanz der Reformation auch für Hier und Heute aufzeigte: "Du darfsch net denka, dass der Friede dir nachlauft!" so zitierte Nägele Martin Luther. Und er machte deutlich, dass die Reformation bis heute wirkt: „Bebba blieba isch a riesiger Schatz für älle Leit!“

Mit dem pointierten Kurzfilm "Was haben die Protestanten jemals für uns getan?" geht die Redaktion von evangelisch.de dieser nach - in Anlehnung an die berühmte Szene aus "Das Leben des Brian" von Monty Python.

Was haben die Protestanten jemals für uns getan?

Alfred Nägele, gespielt von Manfred Geyitz, Illingen

Das Podium (v. li.) mit Irmgard Muthsam-Polimeni (Caritas Mühlacker), Sandra Sailer (Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker), Moderator Michael Gutjahr (Ötisheim), Andreas Felchle, Bürgermeister Maulbronn, Apotheker Hasan-Ali Özer und Georg Vogt (CVJM Jugendkultur & Musik).

Tillmann Jäger (Piano) und Uli Gutscher (Posaune) spielen Spiritual Jazz

Thomas Knodel mit einer Murmel, die zum murmeln mit dem Sitznachbarn anregte

Uli Gutscher (Posaune) und Tillman Jäger (Klavier) boten Spiritual Jazz dar, unter anderem mit Luther-Chorälen. Ihr Können wurde vom Publikum mit Applaus und der Bitte um eine Zugabe gewidmet.

500 Jahre Reformation. Und jetzt?

Der Frage "500 Jahre Reformation. Und jetzt?" gingen Sandra Sailer von der Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker, Irmgard Muthsam-Polimeni, Caritas, Bürgermeister Andreas Felchle, Maulbronn,Georg Vogt, CVJM Jugendkultur & Musik e.V. und Hasan-Ali Özer, Unternehmer, Mühlacker an Hand von Impulsfragen von Michael Gutjahr, Ötisheim nach. Eine Einstiegsrunde im Stil von "Dalli Klick" zeigte die ganze Bandbreite: Kirchturm und Lutherbretter, Melanchton, Deutsch, Schule und Bibel. - Lutherbretter sind massive Eichenbrettern mit Lutherzitaten und passenden Bildern . DieseBretter waren bis Ende April in Friolzheim, Heimsheim, Mönsheim und Wimsheim gut sichtbar entlang verschiedener Straßen aufgestellt.

Auf das Menschenbild kommt es an

Irmgard Muthsam-Polimeni machte deutlich, dass es für sie nicht auf das "Gebetsbuch, sondern auf das Menschenbild" ankommt. Die gute Zusammenarbeit von katholischer und evangelischer Kirche wie sie z.B. beim Tafelladen in Mühlacker praktiziert wird, könne noch intensiviert werden und "eine Schippe drauflegen".
Hasan Ali-Özer, Unternehmer und Muslim berichtete von seinen Erfahrungen im interreligiösen Dialog, wo er viel über die christlichen Konfessionen erfahren und viel Toleranz erlebt habe: "Dass man bereit ist, die Menschen da abzuolen, wo ssie sind" markierte Özer als eine positive Stärke der evangelischen Kirche. Dies noch stärker zu tun und muslimische Menschen noch stärker unter Berücksichtung ihrer Lebenswelten in den Dialog einzubinden, sieht Özer als Zukunftsaufgabe.

Engagement für die Gesellschaft und ein friedliches Miteinander

Sanda Sailer zeigte auf, dass die Diakonie, wie sie zum Beispiel die Lebenshilfe Vaihingen-Mülacker gestaltet ohne Ansehen der Person und seiner Welt- und Glaubensanschauung etwas urevangelisches ist. Hier engagiert zu bleiben und sich nicht auf dem Erreichten auszuruhen, war ein Anliegen der Geschäftsführerin dieser diakonischen Einrichtung. Und Sailer war der Ansicht, dass Angesichts aktueller Entwicklungen ein eintreten für ein friedliches Miteinander in einer bunten Gesellschaft notwendig ist. Andreas Flechle, Bürgermeister von Maulbronn, wies auf die evangelische Kirchenmusik hin und plädierte für mehr Toleranz Seitens der Christen. Er plädierte - bei allen Sachzwängen - dafür, dass evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer ihren zentralen Aufgaben von Seelsorge und der Verkündigung nachgehen können und "weniger Bürokartie würde ihr [der evangelischen Landeskirche, die Redaktion] gut tun", so der Maulbronner Bürgermeister.

Licht ins Dunkel tragen

Kreischende Gitarren, hämmerndes Schlagzeug und die christliche Botschaft - das Heavy Metal und überzeugt gelebtes Christsein sich nicht ausschließen, zeigte sich in der Person von Georg Vogt. Er organisiert christliche Heavy-Metal-Konzerte wie das Blast of Eternity (Flamme der Hoffnung). Vogt berichtete, dass sich die Fans dieser Musikrichtung sehr mit Sinnfragen und Spiritualität auseinandersetzen. Das Anliegen von ihm und seinen Mitstreitern ist es, diese Menschen in ihrem Umfeld abzuholen und dem Okulten eine gute Alternative entegegen zu stellen. "Wir wollen ein Licht in diese Subkultur, ins Dunkel tragen".

Zu Beginn verteilte Diakon Thomas Knodel Murmeln. Diese luden gegen Ende der Veranstaltung ein, mit den Sitznachbarn ins Gespräch zu kommen, um Eindrücke, Meinungen und Impulse zu diesem Abend und der Frage, was jetzt, am Ende des Reforamtionsjubiläums ist, auszutauschen.

Ein Ratschlag hatte Andreas Felchle für alle evangelischen Christen: sie sollen ein Stück der Lebensfreude der katholischen Christen übernehmen. Das war an diesem Abend gelungen mit dieser bunten Mischung. Doris Hötger fand es "eine gute Veranstaltung", die zu besuchen sich gelohnt hatte.