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Notfallseelsorge

Irgendwo im Enzkreis oder in der Stadt Pforzheim geschieht ein Verkehrsunfall oder ein Brand mit Verletzten oder Toten, eine Katastrophe, eine Gewalttat, ein Suizid oder Suizidversuch, der Tod eines Angehörigen. Hier helfen die Feuerwehren, der Rettungsdienst, die Polizei sowie die Notfallseelsorge der Kirchen und die Notfallnachsorge des Deutschen Roten Kreuzes.

Die Notfallseelsorge ist Grundbestandteil des Seelsorgeauftrages der Kirchen. Sie betreut im Enzkreis und in der Stadt Pforzheim primär emotional betroffene Einsatzkräfte oder sonstige Beteiligte nach Bränden, Unglücksfällen oder Katastrophen in Einzel- oder Gruppengesprächen.

Die Notfallnachsorge ist ein Angebot der Rettungsdienstorganisationen. Sie umfasst im wesentlichen die psychosoziale Betreuung von Opfern und deren Angehörigen sowie sonstige betroffene Menschen.

Die „Arbeitsgemeinschaft Notfallseelsorge und Notfallnachsorge Enzkreis und Stadt Pforzheim“ befasst sich mit der Unterhaltung und der Förderung der Notfallseelsorge und der Notfallnachsorge auf dem Gebiet des Enzkreises und der Stadt Pforzheim und koordiniert dies. Sie ist Ansprechpartner für Behörden und Organisationen.

Die Alarmierung der Notfallseelsorge erfolgt in der Regel durch die Einsatzkräfte über die Feuerwehrleitstelle.

Notfallseelsorger stehen auch zu vertraulichen Gesprächen für Einsatzkräfte zur Verfügung.

Nach dem Ausscheiden von Olaf Digel wird ein neuer Ansprechpartner für das Dekanat Mühlacker gesucht.

 

Links

[...] Landesarbeitsgemeinschaft Notfallseelsorge der christlichen Kirchen in Baden-Württemberg.

Auf diesen Seiten wird die Notfallseelsorge als „Erste Hilfe für die Seele“ beschrieben, ein gemeinsames Angebot der Erzdiözese Freiburg, der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Evangelischen Landeskirchen in Württemberg und Baden.

[...] Notfallseelsorge in Deutschland

Auf dieser Seite finden sich Informationen über die Notfallseelsorge in Deutschland, über die einzelnen Systeme der Psychosozialen Notfallversorgung und über Aus- und Fortbildungen.

 

Aktuelle Meldung 25. März 2009:
Helfer für die Helfenden
- Notfallseelsorge-Team in Winnenden im Einsatz

 Pforzheim/Enzkreis | Das Team der Notfallseelsorge und des Notfallnachsorgedienstes des DRK aus Pforzheim und dem Enzkreis war bisher rund 800 Stunden in Winnenden im Einsatz, unter anderem um den Einsatzkräften vor Ort bei der Bewältigung des Erlebten zu helfen.

Am Freitag, den 13. März, zwei Tage nach dem furchtbaren Amoklauf von Winnenden wurde das Team der Notfallseelsorge und des Notfallnachsorgedienstes über das Deutsche Rote Kreuz (DRK) alarmiert, um sich in Winnenden bei der Betreuung von Verletzten und Angehörigen vor Ort zu beteiligen. Diese Betreuung geschah in erster Linie in und um die Turnhalle in der Nähe des Tatorts. „Viele haben Gespräche gewünscht, auch in der Halle und an der Gedenkstätte“ – so Gudrun Augenstein vom DRK-Notfallnachsorgedienst. Die Mitarbeitenden vor Ort kümmerten sich vor allem um mittelbar betroffene: Nachbarn, Vereinsangehörige, Mitschüler. Begleitung erfahren die unmittelbar Betroffenen durch Schulpsychologen, Notfallseelsorge und die Notfallnachsorge aus dem Rems-Murr-Kreis. Pfarrer Hans Gölz-Eisinger: „Die Schulpsychologen haben gemeinsam mit den örtlichen Kräften sehr gute Schulveranstaltungen angeboten.“
Am Sonntag nach dem Amoklauf zeigte sich eine enorm hohe Solidarität, unter anderem reisten Tsunami-Opfer und mittelbar von dem Amoklauf in Erfurt Betroffene an und zeigten Mitgefühl und Anteilnahme.

Wie können sich Notfallseelsorger in einem solchen Einsatz selbst schützen? „Wir können uns nicht so ganz in einen Einsatzmodus versetzen. Wir arbeiten an der Grenze zwischen persönlicher Tragödie und fachlicher Distanz.“ So beschreibt Pfarrer Gölz-Eisinger diese Aufgabe. Auf Nachfrage erläutern die Notfallseelsorger, dass sie selbst durch Austausch, Gruppengespräche und Supervision das Gehörte und Erlebte verarbeiten. „Jeder hat auch seine eigenen Mechanismen, das Erlebte zu verarbeiten. Der eine schreibt es sich von der Seele, der andere geht in die Badewanne oder laufen“ beschreibt Augenstein, „ein Teil des Erlebten bleibt und gehört dann zur Biografie.“
Olaf Digel, Leitender Notfallseelsorger im Enzkreis und in Pforzheim ergänzt: „Es hat sich in dieser Einsatzsituation gezeigt, dass wir eine gute und solide Ausbildung in Einsatzkräftenachsorge haben. Das hat geholfen, die Helfer vor Ort zu begleiten, den Menschen im Einsatz Stabilität zu geben, beim Umgang mit typischen Stresssymptomen wie verstärktes Rauchen, Frieren oder Schwitzen informierend zu helfen. Dieses Wissen hilft auch uns, mit unseren Belastungen umzugehen und zu wissen, was da mit mir passiert.“ Zu den Qualitätsstandards gehört zudem verpflichtend Supervision. „Wir gehen da rein und setzen uns aus und nehmen das mit nach Hause. Aber wir nehmen auch mit nach Hause: Es ist nicht meine Tochter, mein Schüler, der betroffen ist, es ist nicht meine Schule, wo ich war. Wir nehmen Anteil – aber es ist nicht unser Leben“ bilanziert Augenstein.

In der Arbeit vor Ort sei spürbar und erlebbar, wie ihre Arbeit und Präsenz angenommen wird. In den Nachsorgegesprächen, wo jeder Teilnehmende selbst bestimmt, wie weit er sich auf diesen Prozess einlassen kann, herrsche oft eine große, nahezu unglaubliche Nähe und Vertrautheit. Menschen legen den Notfallseelsorgern im vorbeigehen die Hand auf die Schulter. Menschen in Winnenden melden zurück, dass es gut ist, dass die Notfallseelsorge und die Notfallnachsorge da sind und dass sie das Gefühl haben, bei den Seelsorgern gut aufgehoben zu sein. Gespräche wurden auch mit Vertretern der Presse geführt, die betroffen und aufgewühlt den Kontakt suchten.
Diese Nähe, dieses Vertrauen zueinander ist im Team der Notfallseelsorge ebenfalls vorhanden. Augenstein: „Ich weiß, der andere schaut auch nach mir und ist jederzeit bereit einzugreifen. Wir halten Augenkontakt und arbeiten Hand in Hand.“

Die religiöse Frage stellt sich sprachlich kaum, eine Strecke von 100 Metern, gesäumt mit Kerzen und die sprechen für sich: „Diese Wärme der Kerzen, jede Kerze ein Gebet, ein Aufschrei, ein Trost, eine Frage, eine Bitte“ fasst Gölz-Eisinger seine Eindrücke in Worte.

Das Team bündelt seine Eindrücke zum Geschehen vor Ort so: „Was die Helfer vor Ort geleistet haben in einer Lage, die nicht handhabbar ist, verdient hohen Respekt. Wir sind dankbar, hinfahren zu können und Menschen an der Grenze des Leistbaren unterstützen zu können. Die Einsatzkräfte nehmen uns an, akzeptieren uns“, so Gölz-Eisinger.
Olaf Digel: „Aus Kirchensicht ist beeindruckend, wie das DRK vorbereitet ist. Von DRK-Fahrdiensten bis Mahlzeiten vor Ort. Wir als Notfallseelsorge sind auf diese Kooperation angewiesen und sind dankbar, dass diese Zusammenarbeit auch mit den sehr gut ausgebildeten NND-Mitarbeitenden wie am Schnürchen funktioniert.“

 Abschließend berichtete das Team vom Erleben eines Jugendfeuerwehrlers, der nach dem Einsatz Erholung suchte. Er erzählte: „Man kann nicht mal Fernsehen schauen. Entweder sehe ich Bilder von hier oder Actionfilme, in denen geschossen wird oder Shows, die ich nicht ertrage.“ Gefragt, wie das Erlebte für die direkt Betroffenen zu verarbeiten sei meinte das Team, dass eine Rückkehr zur Normalität, in einen Alltag, der sichere, gewohnte Abläufe bietet, jetzt Not tue. Bis aber das Erlebte aufgearbeitet sei, würde es noch Jahre dauern. Gut tue hier die Solidarität zwischen den Betroffenen. Schüler haben erlebt, dass ihre Lehrer ebenso hilflos waren, ebenso leiden und weinen. Digel: „Das Bild, wie die Schüler und die Rektorin Hand in Hand bei der Trauerfeier in der Kirche stehen und sich Halt geben, spricht deutlich.“
Die Einsatzkräfte hätten auch deutlich die Wertschätzung und den Dank durch Landrat und Oberbürgermeister erlebt, die den Kontakt zu den Helfern suchten und nicht die Präsenz in den Medien. Unterschiedliche Erfahrungen haben die Mitarbeitenden vor Ort mit den Medien gemacht. Von respektvollem Umgang bis hin zur Sensationsgier war alles zu erleben. „Jeder Amokläufer will seinen Namen sehen. Es hat eine neue Qualität erreicht, wenn schon während der Tat Livemitschnitte übertragen werden. Das heizt die Situation an und verschärft sie“ stellt Gölz-Eisinger klar.

Für den Fall, dass sich im Enzkreis ein ähnlich schreckliches Ereignis abspielen könnte, wurde gemeinsam mit der Polizeidirektion und den Schulen im Enzkreis ein Notfallplan entwickelt. In vier Veranstaltungen wurden Unterrichtende informiert und geschult, was in solch einer Ausnahmesituation zu tun sei.

Die Notfallseelsorge ist ein Auftrag von Pfarrern und pastoralen Mitarbeitern der Kirchen. Diese melden sich freiwillig und qualifizieren sich für diese Aufgaben. Die Mitarbeitenden des Notfallnachsorgedienstes des DRK arbeiten ehrenamtlich, auch sie durchlaufen eine gründliche Ausbildung.
Im Enzkreis sind derzeit acht Notfallseelsorger einsatzbereit, aus dem Kirchenbezirk Mühlacker sind Pfarrer Olaf Digel, Wurmberg, Pfarrer Hansjörg Lechler, Zaisersweiher-Schmie und Pfarrer Martin Merdes, Enzberg dafür beauftragt.

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